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Was spricht gegen Atomkraft?

Solarenergie, Windkraft, Geothermie, Hybrid- und Elektroautos und aggressive Energieeffizienz sind Klimalösungen, die sicherer, billiger, schneller, sicherer und weniger verschwenderisch sind als Kernkraft. Unser Land braucht einen massiven Zufluss von Investitionen in diese Lösungen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu vermeiden, die Energiesicherheit zu genießen, unsere Wirtschaft anzukurbeln, Arbeitsplätze zu schaffen und daran zu arbeiten, die Welt bei der Entwicklung sauberer Energien zu führen.

Derzeit gibt es 444 Kernkraftwerke in 30 Ländern weltweit, weitere 63 Anlagen sind im Bau. Diese Anlagen sollten aus folgenden Gründen nicht gebaut werden:

Sieben Gründe gegen die Kernenergie:

1. Atommüll:

Die durch Kernreaktoren erzeugten Abfälle bleiben zehn bis hunderttausend Jahre lang radioaktiv. Derzeit gibt es keine langfristigen Lagerungslösungen für radioaktive Abfälle, und die meisten werden in temporären, oberirdischen Anlagen gelagert. Diesen Anlagen geht der Lagerraum aus, so dass die Kernindustrie auf andere Lagertypen zurückgreift, die teurer und potenziell weniger sicher sind.

2. Nationale Sicherheit

Kernkraftwerke sind ein potenzielles Ziel für terroristische Aktionen. Ein Angriff könnte zu großen Explosionen führen, die Bevölkerungszentren gefährden und gefährliche radioaktive Stoffe in die Atmosphäre und die Umgebung schleudern. Kernforschungsanlagen, Urananreicherungsanlagen und Uranminen sind ebenfalls potenziell gefährdet für Angriffe, die eine weit verbreitete Kontamination mit radioaktivem Material verursachen könnten.

3. Unfälle

Neben den Risiken durch Terroranschläge können menschliches Versagen und Naturkatastrophen zu gefährlichen und kostspieligen Unfällen führen. Die Tschernobyl-Katastrophe von 1986 in der Ukraine führte bei der ersten Explosion zum Tod von 30 Mitarbeitern und hat eine Vielzahl von negativen gesundheitlichen Auswirkungen auf Tausende in ganz Russland und Osteuropa gehabt. Ein massiver Tsunami hat 2011 die Sicherheitsmechanismen mehrerer Kraftwerke umgangen und in einem Kraftwerk in Fukushima, Japan, drei Kernschmelzen verursacht, die zur Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Umgebung führten.

ein atomkraftwerk

Bei beiden Katastrophen wurden Hunderttausende umgesiedelt, Millionen von Dollar ausgegeben, und die strahlenbedingten Todesfälle werden bis heute bewertet. Die Krebsraten der in der Nähe von Tschernobyl und Fukushima lebenden Bevölkerung, insbesondere der Kinder, sind in den Jahren nach den Unfällen deutlich gestiegen.

4. Krebsrisiko

Neben dem signifikanten Krebsrisiko im Zusammenhang mit radioaktiven Niederschlägen aus Atomkatastrophen zeigen Studien auch ein erhöhtes Risiko für diejenigen, die in der Nähe eines Kernkraftwerks wohnen, insbesondere für Krebserkrankungen im Kindesalter wie Leukämie. Die Beschäftigten in der Kernindustrie sind ebenfalls einer höheren als der normalen Strahlung ausgesetzt, so dass sie einem höheren Risiko ausgesetzt sind, an Krebs zu sterben, und zwar in einer ähnlichen Rate wie die Überlebenden japanischer Atombomben.

5. Kosten

Im Gegensatz zu den erneuerbaren Energien steigen die Atomkosten, und viele Anlagen werden stillgelegt oder drohen aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt zu werden. Die Anfangsinvestitionen, Brennstoff- und Instandhaltungskosten für Kernkraftwerke sind deutlich höher als bei Wind- und Kernkraftprojekten, die unter Kostenüberschreitungen und Bauverzögerungen leiden. Die Preise für erneuerbare Energien sind in den letzten zehn Jahren deutlich gesunken, und es wird erwartet, dass sie weiter sinken werden.

6. Wettbewerb mit erneuerbaren Energien

Investitionen in Kernkraftwerke, Sicherheit, Bergbauinfrastruktur usw. ziehen Mittel aus Investitionen in sauberere Quellen wie Wind, Solar und Geothermie ab. Die Finanzierung erneuerbarer Energien ist bereits knapp, und die Erhöhung der Nuklearkapazität wird den Wettbewerb um die Finanzierung nur noch verstärken.

7. Energieabhängigkeit der armen Länder

Den Atomweg zu gehen, würde bedeuten, dass arme Länder, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um in die Kernenergie zu investieren und sie zu entwickeln, von reichen, technologisch fortgeschrittenen Nationen abhängig werden würden. Alternativ können sich arme Länder ohne Erfahrung im Bau und in der Wartung von Kernkraftwerken entscheiden, diese trotzdem zu bauen. Länder mit einer langen Geschichte der Kernenergienutzung haben die Bedeutung von Regulierung, Aufsicht und Investitionen in die Sicherheit im Nuklearbereich erkannt.13

Weitere Infos über Atomkraft: Atomkraft Blog

Die Siemens-Boykott-Kampagne

Mit dem Siemens-Boykott soll der Siemens-Konzern dazu bewegt werden, aus dem Atomgeschäft auszusteigen. Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW und der Koordinationskreis Siemens-Boykott rufen seit einigen Jahren zum Boykott von Siemens-Produkten auf, um den Konzern zur Aufgabe seiner Atomgeschäfte zu bewegen.

Ein Verbraucherboykott wirkt zum einen durch selektive Umsatzeinbußen in einzelnen Unternehmensbereichen. Kaufen Sie kein Handy von Siemens, keine Glühbirne, keinen Computer und kein Hausgerät (wichtige Produktgruppen von Siemens). Ärztinnen und Ärzte der IPPNW rufen auch gezielt dazu auf, keine Medizingeräte von Siemens zu kaufen. Denn: Die Atomenergie bedroht Leben und Gesundheit der Bevölkerung.

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW führt seit einigen Jahren einen Dialog mit der Siemens-Führung. Seitens der Siemens AG wurde der Dialog zunächst vom ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Hermann Franz geführt. In jüngerer Zeit nimmt sich Siemens-Chef Heinrich von Pierer und der Leiter der Zentralstelle Wirtschaftspolitik Dr. Bernd Stecher des Siemens-Boykotts an. Einzelne Schreiben der IPPNW wurden rund 100 Führungskräften von Siemens zur Kenntnisnahme geschickt. Denn es kann davon ausgegangen werden, daß die Siemens-Manager, die für die Herstellung von Waschmaschinen und Handys zuständig sind, wenig begeistert von den geschäftsschädigenden Atomgeschäften der Kollegen von der KWU sind.

Hanauer Atomhandel mit China geplatzt

dpa, Dienstag 27. April 2004
Peking (dpa) – Die Verhandlungen über die umstrittene Lieferung der Hanauer Plutoniumanlage nach China sind «eingestellt». Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao wird das Atomgeschäft bei seinem Besuch in Deutschland Anfang kommender Woche auch nicht mehr ansprechen.

Das berichtete am Dienstag der Sprecher des Außenministeriums, Kong Quan, in Peking. Es habe zwischen den beteiligten Unternehmen «anfängliche» Gespräche über die gewünschte Lieferung der stillgelegten Atomanlage zur Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente nach China gegeben. «Die Kontakte sind beendet», sagte der Sprecher.

«Ich denke nicht, dass Ministerpräsident Wen Jiabao die Sache gegenüber der deutschen Seite ansprechen wird.» Die Gespräche über die Lieferung könnten aber durchaus wieder aufgenommen werden. Das sei eine Angelegenheit der Firmen.

Wen Jiabao hatte den chinesischen Wunsch, die Anlage zu kaufen, persönlich beim Besuch von Kanzler Gerhard Schröder Ende vergangenen Jahres in China vorgebracht und um eine Prüfung gebeten. Vor allem der grüne Koalitionspartner in Berlin hatte sich aber vehement gegen die Lieferung ausgesprochen. China hatte wiederholt Sorgen zurückgewiesen, dass die Anlage auch für militärische Zwecke genutzt werden könnte.

bild von der stadt hanau

Was hatte es mit Hanau selber kaufen auf sich? Hintergrundinfos

Die Hanauer Brennelementefabrik

In einer Mox-Brennelemente-Fabrik wird Plutoniumoxid mit Uranoxid in einem bestimmten Mischverhältnis gemischt und zu Plutonium-Uran-Brennstäben verarbeitet. Mit diesen so genannten Mox-Brennstäben kann man ein Atomkraftwerk befeuern – aber auch waffenfähiges Plutonium erbrüten.

Siemens hat die Mox-Fabrik in Hanau 1995 aufgegeben. Sie ist nie in Betrieb gegangen. Mittlerweile ist die komplette Ausrüstung der Fabrik in 60 Container verpackt worden – und diese 60 Container werden verkauft. Inhalt: Mühlen zum Pulverisieren des radioaktiven Materials, Abfallcontainer, Materialeingänge, Sinter-Öfen und Pressen zum Brennen und zum Pressen von Brennstofftabletten, aus denen dann die Brennstoffstäbe gemacht werden, Handschuhkästen, Inspektionssysteme.

Die Ausrüstung dient dazu unter einer sehr guten Abschirmung mit dem radioaktiven Plutonium arbeiten zu können (fernbedient oder in den Handschuhkästen). Selbstverständlich kann die Ausrüstung auch in anderen risikobehafteten Einrichtungen – etwa für die militärische Nutzung – gebraucht werden.
Das Material ist unbenutzt, da die Fabrik nie in Betrieb ging, und ist also nicht radioaktiv verstrahlt.

Viele Namen für eine Fabrik

Die Siemensfabrik in Hanau hat in der Öffentlichkeit viele Namen: Atomfabrik, Hanauer Brennelementefabrik, Siemens-Plutoniumfabrik, Mox-Brennelementefabrik. Der letztgenannte Name trifft die Funktion der Fabrik am besten – ist aber auch schwer zu verstehen.

Was genau ist Mox?

Mox ist die Abkürzung für Mixed Oxide. Das steht für Plutonium-Uran-Oxid, das aus Plutoniumoxid und Uranoxid durch Mischen gewonnen wird. Und das geht so: In Atomkraftwerken werden zur Stromerzeugung Brennstäbe verbrannt. Dabei entsteht Plutonium: Die abgebrannten Brennstäbe enthalten ca. ein Prozent dieses gefährlichen Stoffes. Die benutzen Brennstäbe werden nach ihrer Entfernung aus dem Atomkraftwerk zu Wiederaufbereitungsanlagen gefahren und dort aufbereitet.

Unter anderem wird hier das Plutonium chemisch abgetrennt. Doch wohin nun mit dem abgetrennten Plutonium? Es handelt sich schließlich um hochgiftiges, bombenfähiges Material, das noch die nächsten hunderttausend Jahre strahlen wird. Eine Möglichkeit ist, das Plutonium zu verglasen. Das ist ein bestimmter Mischvorgang, durch den das Plutonium immobilisiert und vor Zugriff geschützt wird. So kann man es dann möglichst sicher lagern.

Wozu dient eine Mox-Fabrik?

Oder man transportiert das Plutonium zu einer Mox-Fabrik. Dort wird das Plutoniumoxid mit Natururan, genau genommen Uranoxid, in einem bestimmten Mischverhältnis gemischt und zu neuen Plutonium-Uran-Brennstäben verarbeitet. Mit diesen so genannten Mox-Brennstäben kann man erneut ein Atomkraftwerk befeuern. Allerdings ist die Nutzung von Mox-Brennstäben in den üblichen Kraftwerken (Leichtwasserreaktoren) sehr unrentabel und noch dazu gefährlicher als die Nutzung der üblichen Uranbrennstäbe – und hat sich deshalb nicht durchgesetzt.

Dafür kann man aber etwas anderes mit den Plutonium-Uran-(Mox-) Brennstäben machen: In den Atomkraftwerken vom Typ des Schnellen Brüters produzieren sie nicht nur Strom, sondern erbrüten auch große Mengen neuen besonders waffenfähigen Plutoniums. Außerdem können die Brennstäbe auch für den Betrieb von militärischen Plutoniumreaktoren – wie sie etwa China besitzt – genutzt werden. China besitzt derzeit übrigens vier Tonnen Plutonium – im Gegensatz zu den mehreren hundert Tonnen, die die USA bzw. Russland jeweils besitzen. Zusammenfassend lässt sich also feststellen:

Die Mox-Wirtschaft birgt erhebliche Gefahren

  1. Die Plutonium-Uran-Brennstäbe sind schon bei der friedlichen Nutzung im Atomkraftwerk viel gefährlicher als die herkömmlichen Brennstäbe. Bei einem Unfall mit Mox rechnen Wissenschaftler etwa mit doppelt so vielen Krebsopfern wie bei den klassischen Uranbrennstäben.
  2. Die Brennstäbe können militärisch genutzt werden: Mit ihrer Hilfe lassen sich große Mengen neuen waffenfähigen Plutoniums erbrüten.
  3. Mox-Fabriken führen zu einem massiven Anstieg der Plutoniumtransporte. Die Unfallgefahr steigt.
  4. Mit Mox steigt die Gefahr, dass atomwaffenfähiges Material in die falschen Hände gerät. Aus Mox-Brennelementen das Waffenplutonium wieder herauszufiltern gilt als Kinderspiel.

Es bleibt dabei: Es gibt keine rein zivile Plutoniumtechnik, wie es uns die Mox-Befürworter weismachen wollen. Mox-Brennstoff mit seinem Inhaltsstoff Plutonium ist immer atomwaffenfähiges Material.

Was genau wird verkauft?

Die Fabrik in Hanau ist bereits in 60 Container verpackt – und diese 60 Container werden verkauft. Inhalt: Mühlen zum Pulverisieren des radioaktiven Materials, Abfallcontainer, Materialeingänge, Sinter-Öfen und Pressen zum Brennen und zum Pressen von Brennstofftabletten, aus denen dann die Brennstoffstäbe gemacht werden, Handschuhkästen, Inspektionssysteme. Die Ausrüstung dient dazu unter einer sehr guten Abschirmung mit dem radioaktiven Plutonium arbeiten zu können (fernbedient oder in den Handschuhkästen). Selbstverständlich kann die Ausrüstung auch in anderen risikobehafteten Einrichtungen – etwa für die militärische Nutzung – gebraucht werden. Das Material ist unbenutzt, da die Fabrik nie in Betrieb ging, also auch nicht radioaktiv verstrahlt.

Die Rolle von Joschka Fischer

Es gibt in Hanau eine Plutonium-Vorgängeranlage von Siemens, die 1991 nach einem Störfall vom damaligen hessischen Umweltminister Joschka Fischer stillgelegt wurde. Damals hieß es übrigens, die Plutoniumwirtschaft sei ein Risiko für die internationale Sicherheit – noch heute lagert tonnenweise Plutonium aus dem damaligen Betrieb in Hanau. Die Altanlage sollte nach den ursprünglichen Plänen von Siemens Ende 1992 durch die neue Mox-Brennelementefabrik ersetzt werden. Allerdings ging diese in Hessen heftig umstrittene Fabrik nie in Betrieb. Hintergrund ist ein jahrelanges juristisches Tauziehen um das Werk. 1993 hob das hessische Verwaltungsgericht in Kassel drei von sechs Teilgenehmigungen für die bereits fertige Fabrik auf.

Ein Jahr später entschieden die Richter des Bundesverwaltungsgerichtshofes in Berlin für Siemens. Allerdings nutzen die deutschen Atomkraftwerksbetreiber nun bereits entsprechenden Fabriken im europäischen Ausland, so dass Siemens 1995 die Fabrik aufgab. Die gesamte Ausrüstung wurde demontiert und in Seecontainer verpackt und wartet nun auf den Export. Vor drei Jahren sollte die Fabrik übrigens schon einmal verkauft werden. Damals an Russland. Der Export scheiterte unter anderem an den Grünen. Heute scheint der grüne Außenminister Joschka Fischer dagegen dem Export zuzustimmen. Da scheint auch der Hinweis seines grünen Parteikollegen und Bundestagsabgeordneten Winni Nachtwei auf die „katastrophale Menschenrechtssituation in China“ und die hohe Zahl der Todesurteile nicht zu helfen. Zur aktuellen Situation des Exportverfahrens siehe unter Aktuell.