Laden...
Mit einer Art "Klima-Siegel" für Atomkraft und Gas will die EU-Kommission Milliarden-Investitionen in diese Energieträger ankurbeln. Das EU-Parlament stimmt heute über eine mögliche Blockade der so ge - Digital concept art for illustrative purpose - Monok

EU-Gericht bestätigt grünes Label für Atomkraft und Gas und löst Kontroverse aus

In einem umstrittenen Urteil hat das Gericht der Europäischen Union die Aufnahme von Atomenergie und Erdgas in die EU-Taxonomie für nachhaltige Investitionen bestätigt.

Damit wies das Gericht die Klage Österreichs ab, das argumentiert hatte, diese Energiequellen seien nicht umweltverträglich. Das Urteil hat unter den Mitgliedstaaten und Umweltverbänden eine heftige Debatte ausgelöst.

Die Taxonomie, ein Rahmenwerk, das umweltverträgliche wirtschaftliche Aktivitäten definiert, wurde 2022 aktualisiert, um unter bestimmten Auflagen bestimmte Atom- und Gasprojekte zuzulassen.

Gericht stärkt Befugnisse der Kommission

In seiner Entscheidung stellte das Gericht fest, dass die Europäische Kommission im Rahmen ihrer Befugnisse gehandelt habe. Es verwies auf die potenzielle Rolle dieser Energiequellen bei der Verringerung von Treibhausgasemissionen, trotz anhaltender Sorgen über ihre Umweltauswirkungen.

Österreich, ein langjähriger Gegner der Atomkraft, hatte seine Klage gegen die Kommission im Oktober 2022 eingereicht.

Das in Luxemburg ansässige Gericht stellte sich letztlich auf die Seite der EU-Exekutive und befand, sie habe mit der Einstufung von Atomenergie und fossilem Gas als Teil des Rahmens für nachhaltige Investitionen ihr Mandat nicht überschritten.

Umweltverbände äußern Bedenken

Umweltorganisationen wie Greenpeace und der WWF verurteilten die Entscheidung. Sie betonen, sie untergrabe die Glaubwürdigkeit der Taxonomie und begünstige Technologien, die langfristige ökologische Schäden verursachen. Das Urteil sei ein schwerer Rückschlag für den Klimaschutz, so die Kritik.

Die Verbände warnten, das Urteil könnte Investitionen von erneuerbaren Energien abziehen und die Abhängigkeit von Technologien mit ungelösten Risiken verfestigen – etwa von Atommüll oder Treibhausgasemissionen aus fossilen Brennstoffen.

Das Ergebnis macht die anhaltenden Konflikte in der EU über den Weg zu einer nachhaltigen Energiezukunft deutlich. Frankreich setzt auf Atomkraft, während Spanien und andere Länder die Aufnahme von Erdgas in die Taxonomie nachhaltiger Investitionen ablehnen.

Österreichs Klimaminister Norbert Totschnig zeigte sich tief enttäuscht über das Urteil und nannte es sehr bedauerlich.

Er betonte, das Urteil werde sorgfältig geprüft, bevor über mögliche weitere rechtliche Schritte entschieden werde.

Die Debatte zeigt, wie schwierig es für die EU ist, eine verlässliche Energieversorgung zu sichern und zugleich ihre Klimaziele voranzutreiben. Diese Herausforderung wird die politischen Diskussionen und Entscheidungen in der Union weiterhin maßgeblich prägen.