Proteste breiten sich in New York aus – Gouverneurin treibt Atomkraft-Ausbau voran
Eine wachsende Protestwelle breitet sich in New York aus, während Gouverneurin Kathy Hochul ihre Pläne vorantreibt, die Atomkapazität des Bundesstaates zu erweitern. Was Ende September mit einer Kundgebung in Syracuse begann, hat sich Anfang Oktober auf weitere Städte ausgeweitet, wo Umweltaktivist*innen, indigene Führungspersönlichkeiten und Community-Gruppen zusammenkamen, um das zu verurteilen, was sie als falsche Antwort auf die Klimakrise bezeichnen.
Indigene Stimmen fordern Verantwortlichkeit
Bei dem Protest in Syracuse schlossen sich Mitglieder der Haudenosaunee-Konföderation – deren angestammtes Gebiet weite Teile Zentral-New Yorks umfasst – den Umweltschützer*innen an, um gegen einen vorgeschlagenen Ein-Gigawatt-Reaktor und erneute Subventionen für alternde Atomkraftwerke am Ontariosee zu demonstrieren.
Die Aktivist*innen warnten, dass der nukleare Brennstoffkreislauf Communities und Ökosysteme in jeder Phase gefährdet – vom Abbau und Transport bis zur langfristigen Lagerung des Mülls – und dabei bleibende Schäden am Land sowie anhaltende Risiken für die öffentliche Gesundheit hinterlässt.
Vertreter*innen von Organisationen wie dem Sierra Club, Food and Water Watch und NY Renews forderten die Gouverneurin stattdessen auf, in erneuerbare Energien wie Solar-, Wind- und Geothermieanlagen zu investieren. Sie plädierten für Technologien, die sauberer sind, schneller umgesetzt werden können und vor Ort sicher verwaltet werden, ohne giftigen Abfall zu produzieren.
Expert*innen stellen Atom-Renaissance infrage
Gouverneurin Hochul verteidigt ihren Plan als Teil des Ziels, bis 2040 emissionsfrei zu sein. Wissenschaftler*innen wie Dr. Robert Howarth von der Cornell University warnen jedoch, dass ein Ausbau der Atomenergie zu teuer und zu langsam sei, um der Klimanotlage zu begegnen. Dr. Kathleen Nolan von Physicians for Social Responsibility ergänzte, sogenannte fortschrittliche Reaktoren böten keine Garantie für mehr Sicherheit.
Damit flammt in den USA erneut die Debatte auf, ob Atomenergie als sauber und nachhaltig gelten kann.
Der Konflikt in New York spiegelt den weltweiten Streit wider, der die öffentliche Meinung weiter spaltet. Deutschlands Entscheidung, 2023 seine letzten Atomkraftwerke abzuschalten, steht für einen Kurs in Richtung erneuerbarer Energien, machte aber auch deutlich, wie schwierig es ist, während des Übergangs Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
New York steht nun vor einem ähnlichen Dilemma: Der Bundesstaat will Klimaschutzambitionen mit sozialer und ökologischer Verantwortung in Einklang bringen. Hochuls Vorstoß zeigt, dass der Weg zur Klimaneutralität selten gradlinig verläuft. Die Proteste machen deutlich, dass es dabei nicht nur um Technologie geht, sondern auch um Vertrauen, Gerechtigkeit und die Frage, wer die Macht hat, eine wirklich nachhaltige Zukunft zu definieren.