Taiwan lässt über Zukunft des Kernkraftwerks Maanshan abstimmen
Das taiwanische Parlament hat einen Plan gebilligt, eine Volksabstimmung darüber abzuhalten, ob das Kernkraftwerk Maanshan in der Stadt Tainan den Betrieb wieder aufnehmen soll. Der Antrag wurde mit 58 Stimmen dafür und 49 dagegen angenommen. Nun geht der Vorschlag an die Zentrale Wahlkommission, die über Termin und Modalitäten der Abstimmung entscheidet.
Letzter Reaktor nach 40 Jahren abgeschaltet
Maanshan war die letzte aktive Atomanlage Taiwans. Der zweite und letzte Reaktor, Block 2, wurde Anfang dieses Jahres stillgelegt, nachdem er sein 40-jähriges Betriebslimit erreicht hatte. Präsident William Lai bestätigte, dass der Rückbau entsprechend den bestehenden Sicherheits- und Rechtsvorgaben fortgesetzt wird.
Taiwans Energiestrategie unter Druck
Seit 2016 verfolgt die Regierung den Plan, bis 2025 komplett aus der Kernenergie auszusteigen. Demnach sollen 20 % des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen, 50 % aus verflüssigtem Erdgas (LNG) und 30 % aus Kohle. Kritiker warnen jedoch vor Versorgungsrisiken, steigenden Brennstoffkosten und wachsender Importabhängigkeit – vor allem in Zeiten turbulenter Weltenergiemärkte.
Neues Gesetz verlängert Laufzeiten
In einer getrennten Abstimmung verabschiedete das Parlament Änderungen am Gesetz über Kernreaktoranlagen. Die Novelle erlaubt Betreibern, eine Laufzeitverlängerung um 20 Jahre zu beantragen, wodurch die maximale Betriebsdauer von 40 auf 60 Jahre steigt. Unterstützt wurde das Gesetz von der Kuomintang (KMT) und der Taiwan People’s Party (TPP), zwei Oppositionsparteien, die Kernenergie weiterhin als Teil des Energiemix sehen.
Forschung zu kleineren Reaktoren läuft
Das Nationale Atomforschungsinstitut Taiwans arbeitet derzeit an einer vierjährigen Studie zu Small Modular Reactors (SMR) mit einem Budget von über 100 Millionen Taiwan-Dollar. Die kompakten Anlagen gelten als mögliche Lösung für eine stabile und sauberere Stromversorgung.
SMR-Modelle könnten ab 2030 marktreif sein. Präsident Lai zeigt sich offen für neue nukleare Technologien – allerdings nur, wenn sie strenge Sicherheits- und Endlagerstandards erfüllen.
Das bevorstehende Referendum spiegelt Debatten in vielen Ländern wider, auch in Deutschland, wie sich Versorgungssicherheit, Kosten und Umweltziele in Zeiten veränderter Energiebedarfe austarieren lassen.